Wachsiegel
Kreativ sein mit WeserklecksWERK Franzi
Darum gehts:
In diesem Video geht es um Wachs, aber mal nicht in Kerzenform. Wer schon mal in einem Workshop war, weiß, dass Kerzen bei mir immer wieder auftauchen. Und genau deshalb war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis wir uns auch Wachsiegeln widmen. Das ist ein Thema aus dem Workshop „Brief und Siegel“ und es hat diese ganz eigene Mischung aus traditionell, meditativ und überraschend praktisch. Gleichzeitig gibt es dabei ein paar Dinge, die viele falsch einschätzen. Genau deshalb gibt es heute drei Tipps, wie es zuverlässig klappt und am Ende natürlich wieder einen aus der Schublade.
Kann man Wachsiegel einfach mit Kerzenwachs machen?
Die Frage kommt fast immer, weil sie so logisch klingt. Kerze ist Wachs, also müsste es doch gehen. Theoretisch ja, praktisch ist Kerzenwachs aber nicht die beste Idee. Kerzenwachs bricht schneller und ist nicht so robust. Siegelwachs ist anders aufgebaut. Diese Pastillen bestehen meist aus Mischungen wie Paraffin, Harz und manchmal auch Bienenwachs. Und dann kommt Farbe dazu. Man merkt es schon beim Anfassen, das Material ist nicht nur hart, sondern hat oft so eine leicht gummiartige Eigenschaft. Genau das ist ja gewollt, weil ein Wachsiegel auf einer Hochzeitseinladung oder auf einem Geschenk nicht beim ersten Anstoßen zerbröseln soll.
Wie schmilzt man Siegelwachs sicher und ohne Stress?
Tipp Nummer eins ist das Schmelzen. Am entspanntesten geht das mit so einer kleinen Schmelzvorrichtung, also einem Mini-Ofen für Siegelwachs. Die kosten nicht viel und sie nehmen einem gleich mehrere Risiken ab. Im Video wird auch klar gesagt, warum ich Modelle mit Holz lieber mag. Metall kann schnell sehr heiß werden und genau das ist der Moment, in dem man gedankenverloren anfasst und sich ärgert. Bei der Holzvariante ist der Rahmen weniger kritisch und oben sitzt der Schmelzlöffel, idealerweise mit Holzgriff, damit man ihn auch wirklich sicher in die Hand nehmen kann.
In den Löffel kommen dann die Wachs-Pastillen. Vier Stück sind ein guter Startpunkt, weil man unterschätzt, wie viel sich beim Aufdrücken verteilt. Außerdem bleibt oft ein Rest im Löffel und wenn man mehrere Siegel nacheinander macht, wird es sowieso irgendwann bunt, außer man bleibt konsequent bei einer Farbe. Wichtig ist nur, nicht im heißen Wachs herumzustochern. Das wirkt harmlos, ist aber genau der Weg zu verbrannten Fingern. Wachs schmilzt, Wachs bleibt heiß, Wachs verzeiht wenig.
Warum entscheidet der Untergrund über Erfolg oder Frust?
Tipp Nummer zwei ist der Untergrund. Das ist so ein Klassiker. Man legt erst mal eine Schneidmatte hin, weil man die ja sowieso hat, und merkt dann, dass sich das Siegel schlecht löst. Papier ist noch schlimmer, weil es anklebt, einreißt oder das Siegel beim Abmachen kaputtgeht. Was wirklich gut funktioniert, sind glatte, harte Untergründe. Im Video sind das Schieferplatten, ein Teller oder eben der Tipp, den eigentlich jeder sofort umsetzen kann: die Rückseite einer Tasse.
Das ist so simpel, dass man es fast überliest, aber es ist genau diese Art von Trick, die das Ganze von kompliziert zu machbar macht. Auf Porzellan lässt sich das ausgehärtete Siegel sauber lösen, ohne dass man Gewalt braucht. Und wer es super gleichmäßig und rund möchte, kann sich dafür sogar spezielle Matten holen, in denen das Wachs schon in eine Form läuft. Ich persönlich mag aber diesen leicht unperfekten Look. Ein Siegel darf ein bisschen Vintage sein, ein bisschen anders, weil es eben jedes Mal neu entsteht.
Wie wird aus geschmolzenem Wachs wirklich ein Siegel und kein Matsch?
Tipp Nummer drei ist das, woran viele scheitern, weil sie im Kopf noch beim Stempeln sind. Ein Siegel ist kein Stempel, den man kurz drückt und sofort wieder hochzieht. Sobald das Wachs flüssig ist, wird es auf den Untergrund gegossen, möglichst so, dass genug da ist. Dann kommt der Siegelkopf mittig drauf, ganz egal wie herum, Hauptsache gerade. Und jetzt kommt der entscheidende Teil: stehen lassen.
Es muss auskühlen. Kurz, aber eben nicht nur eine Sekunde. Wer zu früh abzieht, produziert Matsch. Wer wartet, kann den Kopf sauber lösen und sieht dieses Motiv, das sich so richtig schön ins Wachs gedrückt hat. Im Video sieht man auch, dass schwere, metallische Siegelköpfe oft schneller funktionieren, weil sie kühler sind und die Wärme besser wegziehen. Günstige Köpfe sind leichter, fühlen sich anders an und brauchen manchmal ein bisschen mehr Geduld. Aber am Prinzip ändert das nichts. Erst warten, dann lösen.
Welche Motive und Griffe lohnen sich und was sollte man lieber lassen?
Ein schöner Nebenteil im Video ist, dass man Siegelgriffe und Siegelköpfe austauschen kann. Die sind meistens kompatibel, weil viele mit Gewinde arbeiten. Man kann also während das Wachs schmilzt schon den nächsten Kopf auswählen. Nur bitte nicht wechseln, wenn irgendwas noch heiß ist, sonst wird aus Bastelromantik ganz schnell Fluch-Content.
Und dann kommt die Frage aus dem Off, die ich wirklich mag, weil sie so typisch ist: könnte man Siegelköpfe auch 3D drucken. Im Video wird es ausprobiert. Und genau das passiert, was man befürchtet. Das Wachs bleibt im gedruckten Motiv hängen, es löst sich schlecht, es wird frickelig. Selbst wenn man das irgendwie mit Kühlen oder Rumprobieren hinbekommt, ist der Aufwand hoch und der Effekt nicht zuverlässig. Die klare Erkenntnis ist: Metall siegt. Im wahrsten Sinne.
Was ist der Plus Tipp aus der Schublade?
Und dann kommt die Schublade und diesmal ist sie wirklich ein Gamechanger für alle, die mehr als ein Siegel brauchen oder die nicht jedes Siegel direkt auf den Brief setzen wollen. Es sind Siegel-Aufkleber. Also vorgestanztes, doppelseitiges Klebeband in rund. Das heißt, man kann Siegel ganz entspannt auf einer Tasse, einem Teller oder einer Schieferplatte vorbereiten, auskühlen lassen und später aufkleben. Siegel to go.
Das ist auch praktisch, wenn man eine Aktion plant. Adventskalender, kleine Geschenkserien, Einladungen, Tischkärtchen, Zertifikate, oder einfach ein Paket in Kraftpapier mit Band, auf das man am Ende ein Siegel setzt. Der Effekt bleibt, aber man muss nicht unter Zeitdruck arbeiten und man kann sich sogar einen kleinen Vorrat anlegen.
Warum lohnt es sich, das Video anzuschauen?
Weil man hier nicht nur eine Technik erklärt bekommt, sondern das Gefühl dafür mitnimmt. Wie schnell das Wachs wirklich schmilzt. Wie viel man gießen muss. Wie lange es stehen sollte. Und warum die Tasse plötzlich der beste Basteluntergrund der Welt ist. Dazu kommt dieses kleine Aha, dass man Siegel nicht nur als einmaliges Brief-Accessoire sieht, sondern als etwas, das man vorbereiten, sammeln und ganz flexibel einsetzen kann. Und genau dann wird aus „sieht schön aus, aber ist bestimmt schwierig“ etwas, das man zu Hause wirklich ausprobiert.